Brief an die AWO

Seitdem Sozialarbeiter*innen der AWO, gemeinsam mit Mitarbeiter*innen des Sicherheitsdienstes begonnen haben diejenigen Bewohner*innen einzuschüchtern und willkürlich zu strafen, die den Mut hatten am 2. April 2020 öffentlich die Situation anzuklagen und für die Schließung des Lagers zu protestieren, ist es höchste Zeit sie an ihre Berufsethik zu erinnern: Soziale Arbeit ist immer auch Menschenrechtsprofession. Es geht darum, gegen Rassismus und Ungleichheit und für ein solidarisches Miteinander einzutreten. Jetzt in diesem Moment hätten sie die Chance dies gemeinsam mit ihren “Klient*innen” zu tun. Auf Augenhöhe.

Liebe AWO Mitarbeiter*innen: Unterstützt die Forderungen der Bewohner*innen: Shut down Lindenstraße.

Briefe können an den Leiter der EAE Lindenstraße adressiert werden: j.raabe-schwarz@awo-bremen.de (update: derzeit kommen die Emails dort offenbar nicht an, weil der Leiter auf unbestimmte Zeit nicht antwortet und Emails auch nicht weitergeleitet werden) oder/und an die Stellvertreterin Frau Franzke, k.franzke@awo-bremen.de und an den Fachbereichsleiter Herrn Eisenhut, u.eisenhut@awo-bremen.de oder auch andere.

Schickt gerne eine Kopie an shut-down-gottlieb-daimler@free-migration.org

Hier ist ein Beispiel:

Sehr geehrter Herr Raabe-Schwarz,

ich schreibe Sie wegen der aktuellen Situation in der Erstausnahmeeinrichtung in der Lindenstraße an. Über die ausführliche Berichterstattung in zahlreichen Bremer und überregionalen Medien habe ich von den Protesten der Bewohner*innen und ihren Forderungen erfahren. Die Lebensbedingungen in der EAE Lindenstraße waren schon vor Ausbruch und der schnellen Verbreitung des lebensgefährlichen Virus katastrophal. Ich gehe davon aus, dass weder Sie noch andere Mitarbeiter*innen der AWO über Monate unter solchen Bedingungen leben könnten ohne gesundheitlichen und psychischen Schaden zu nehmen. Unter der zusätzlichen Bedrohung durch die Ausbreitung des Corona Virus ist das Weiterbetreiben der EAE meiner Ansicht nach äußerst fahrlässig und lebensgefährdend. Deshalb habe ich mit Entsetzen die Reaktion einiger Mitarbeiter*innen der AWO auf den mutigen und legitimen Protest der Bewohner*innen aufgenommen. Die Tatsache, dass Mitarbeiter*innen der AWO den Bewohner*innen der EAE, die für die körperliche und psychische Unversehrtheit aller Bewohner*innen eintreten und dafür ihr Grundrecht auf Versammlungsfreiheit in Anspruch nehmen, mitteilen, sie seien deshalb „traurig“, „enttäuscht“ und „wütend“, ist an Ignoranz und Egoismus nicht zu übertreffen. Anstatt den Bewohner*innen vorzuwerfen, sie seien „undankbar“, weil sie ihre Rechte einfordern, hätten die Mitarbeiter*innen und Sie als Leiter bzw. die AWO als Institution sich hinter die Forderungen stellen können. Anstatt persönlich beleidigt zu reagieren und den Bewohner*innen entgegen zu halten, die Mitarbeiter*innen hätten „so viele gute Dinge für sie getan“, hätte ich von Sozialarbeiter*innen und einer Institution, die sich soziale Werte auf die Fahnen schreibt, erwartet, dass sie die Bewohner*innen bestärken, ihre Rechte weiterhin einzufordern. Die Tatsache, dass der AWO nichts anderes einfällt, als auf die Spontankundgebung der Bewohner*innen mit Hausverboten und Repression zu antworten, macht deutlich, dass finanzielle Interessen die einzige Orientierung ihrer Institution zu sein scheinen. Ich bin schockiert zu hören, dass den Bewohner*innen, die auf die Einhaltung der Infektionsschutzregelungen pochen, gedroht wird, sie würden wegen ihres Verhaltens bei den Transfers in kleinere Wohneinheiten nicht berücksichtigt. Während die Unterstützung der Proteste und Forderungen der Bewohner*innen in Bremen und darüber hinaus erfreulich stark zunehmen und selbst die Interessensvertretung der Sicherheits- und Wachleute bei verdi die Forderungen nach einer Evakuierung der EAE unterstützen, haben wir von der AWO als Trägerin der Einrichtung in der Öffentlichkeit bisher nichts als Schweigen vernommen. Manchmal ist Schweigen jedoch aussagekräftiger als jedes Wort!

Das Verhalten Ihrer Mitarbeiter*innen sowie der AWO als Ganzes gegenüber den Bewohner*innen wird derzeit von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und verfolgt. Ich fordere Sie hiermit dazu auf, alle repressiven und einschüchternden Maßnahmen gegen die Bewohner*innen sofort zu unterlassen. Ich fordere Sie zudem auf, sich bei den Behörden dafür einzusetzen, dass die Einrichtung vollständig evakuiert wird und Transparenz über die Reihenfolge der Transfers herzustellen.

Mit freundlichen Grüßen,